|
Badische Zeitung vom Donnerstag, 20. August 2009
|
|
KENZINGEN / HERBOLZHEIM / RIEGEL. Rund 800 Rettungskräfte aus dem Kreisgebiet nahmen am Montagabend an der großen Katastrophenschutzübung teil. Feuerwehren, Rotes Kreuz, DLRG, Technisches Hilfswerk, Polizei und Bergwacht waren eingebunden.
|
|
Von unserem Mitarbeiter Dieter Erggelet
|
|
|
Auch die Bergwacht Waldkirch war bei der Katastrophenschutzübung dabei und barg auf dem Gelände der Firma Schaan im Riegeler Oberwald einen Monteur aus 20 Meter Höhe. – Zentrum der Großübung bildete das Szenario, dass ein Bus und ein Pkw bei Kenzingen kollidierten.| Foto: Dieter Erggelet
|
Jörg Berger, Leiter des Amts für Brand und Katastrophenschutz im Landratsamt, hatte die Großübung zwar für die Sommerferien angekündigt, aber den exakten Termin geheimghalten. Am Dienstag war es dann so weit:. Innerhalb einer Stunde erreichten fünf Alarmierungen die Integrierte Leitstelle in Emmendingen.
Blitzschnell musste dort entschieden werden, an welchen Einsatzort welche Organisation beordert wird. Wichtig war auch eine gute Koordination der Organisationen. Zudem musste berücksichtigt werden, dass während der Übung auch ein Ernstfall eintreten könnte.
Diese Vorkehrung erwies sich als durchaus begründet: Die Mitarbeiter der Bergwacht Waldkirch brauchten ihr Handwerkszeug und ihre Arbeitskleidung erst gar nicht abzulegen, denn kurz zuvor waren sie im Elztal noch bei der Bergung eines verunglückten Gleitschirmfliegers beschäftigt. Die Teninger , Köndringer, Heimbacher und sogar die Denzlinger Wehren wurden während der Übung zu einem tatsächlichen Brand in einer Schreinerei in Heimbach gerufen. Auch Axel Mann, Leitender Notarzt im Landkreis, war ebenfalls zur Stelle.
Vor allem für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer war die Katastrophenschutzübung eine besondere Herausforderung. Meist noch während der Arbeitszeit wurden sie alarmiert, meldeten sich bei ihrer Feuerwehr oder dem DRK-Ortsverein und schlüpften in entsprechende Kleidung. Die Atemschutzträger der ABC-Feuerwehren aus Kenzingen, Teningen-Emmendingen und Waldkirch gingen an ihre Leistungsgrenze.
Angenommen wurde, dass nach der Kollision mit einem Tankwagen giftige Stoffe ausgetreten sind. Das Messfahrzeug der Feuerwehr Kenzingen informierte die Rettungsleitstelle laufend über die Schadstoffkonzentration in der Luft.
Wenige Kilometer weiter ging es noch spektakulärer zu. Angenommen wurde, dass ein Linienbus mit über 25 Fahrgästen nach einem Zusammenstoß mit einem Pkw gegen die Wand geschleudert wurde. Ein schweres Betonteil musste vor einer Rettung des eingeklemmten Fahrers entfernt werden. Geschminkte "Opfer" verstärkten das Bild. Alle Retter mussten kühlen Kopf bewahren.
Bei den Führungskräften standen die Funkgeräte nicht still. Rettungsscheren und anderes schweres Gerät kamen zum Einsatz. Hier wirkte auch das Technische Hilfswerk mit. Die Rotkreuzler setzten Defibrilatoren ein und legten Infusionen – perfekt und routiniert. Der Einsatz eines Rettungshubschraubers wurde diskutiert, aber nicht für nötig gehalten.
|
|
|
|
|
ABC-Kräfte bekämpfen einen angenommenen Gefahrgutunfall im Hof der Firma Sautter in Kenzingen.| Fotos: Dieter Erggelet
|
Wenige Kilometer weiter waren das Technische Hilfswerk und DLRG-Taucher gefordert. Angenommen wurde, dass im Kenzinger Nachtallmendsee eine Mutter verschwand, die ihr ertrinkendes Kind retten wollte. Taucher, Notärzte, Feuerwehr und DRK begannen sofort mit der Suche. Glücklicherweise wurden Mutter und Kind entdeckt und gerettet.
Die Feuerwehren von Herbolzheim, Rheinhausen, Weisweil und Bahlingen rückten derweil zu einem angenommenen Großbrand einer Produktionshalle im Industriegebiet Herbolzheim aus. Die heißen Außentemperaturen forderten den Atemschutzträgern alle Kräfte ab.
Im Gewerbegebiet Oberwald in Riegel stand das siebenköpfigen Bergwachtteam aus Waldkirch vor einer Herausforderung. Übungsannahme: Auf einem Kranausleger in 20 Meter Höhe hatte ein Monteur einen Herzinfarkt erlitten. Mit Kletterhaken und Rettungsgerät kämpften sich Niko Zink und Gregor Schuler in luftige Höhe. Zwischenzeitlich bauten die Kollegen einen Flaschenzug und in einer spektakulären Abseilaktion wurde der "Verletzte" den Rettungskräften des DRK überlassen. Sonderbeifall der Zuschauer und aller Rettungskräfte erhielten die beiden Kletterer für diese "Luftnummer".
Viele Feuerwehrkommandanten oder DRK-Einsatzleiter waren als Beobachter dabei. Am 2. September wird die Bilanz der Großübung gezogen.
Autor: Dieter Erggelet
|
|